Die musikalische Revolution begann mit Geräten, die ursprünglich dafür gedacht waren, Heimorganisten das Schlagzeug zu ersparen. Ein Knopfdruck genügte, und schon lieferte die Maschine einen tadellosen Walzer, Foxtrott oder Bossa Nova. Musikalische Leidenschaft auf Abruf, zuverlässig und ohne die üblichen Beschwerden eines Schlagzeugers über Lautstärke, Bezahlung oder Pausenzeiten.
Bereits in den 1930er-Jahren hatte Léon Theremin gemeinsam mit dem Komponisten Henry Cowell am Rhythmicon gearbeitet, einer experimentellen Maschine, die unterschiedliche rhythmische Abläufe gleichzeitig erzeugen konnte. Ende der 1940er-Jahre entwickelte Harry Chamberlin den Rhythmate, der aufgezeichnete Schlagzeugrhythmen von Tonband wiedergab. 1959 erschien schließlich der Wurlitzer Side Man, später folgten Rhythmusboxen von Ace Tone und Korg. Eigene Rhythmen programmieren konnte man zunächst nicht. Die Hersteller entschieden, was musikalisch sinnvoll war. Immerhin standen mehrere Tanzstile zur Auswahl.
Die ersten Rhythmusmaschinen waren technisch bemerkenswert erfinderisch. Beim Wurlitzer Side Man drehte sich im Inneren eine Scheibe mit metallischen Kontaktpunkten. Sobald ein Kontakt erreicht wurde, löste die Elektronik einen bestimmten Schlagzeugklang aus. Die Anordnung der Kontakte bestimmte den Rhythmus, die Drehgeschwindigkeit das Tempo. Zwölf vorgegebene Schlagmuster standen zur Verfügung. Wer einen völlig neuen Rhythmus wollte, musste allerdings mehr verändern als die Stellung eines Schalters. Die musikalische Kreativität war fest in der Mechanik verbaut.
In den 1960er-Jahren übernahmen Transistoren, Dioden und elektronische Schaltungen zunehmend diese Aufgaben. Ein Taktgeber lieferte regelmäßige Impulse, während die Schaltungen festlegten, wann Bassdrum, Snare oder Becken erklingen sollten. Die Hersteller verdrahteten gewissermaßen die musikalischen Vorstellungen ihrer Ingenieure. Der Musiker durfte anschließend zwischen den Ergebnissen wählen. Ein früher Vorläufer der Softwareprogrammierung, bei dem allerdings noch der Lötkolben zum bevorzugten Eingabegerät gehörte.
Dass sich solche Geräte für ernsthafte Popmusik eigneten, bewies Sly Stone 1971 mit „Family Affair“. Statt eines menschlichen Schlagzeugers spielte eine Maestro Rhythm King MRK-2. George McCrae verwendete die Technik 1974 für „Rock Your Baby“. Die Maschine hatte damit den Sprung aus dem Wohnzimmer in die Hitparade geschafft. Kraftwerk und Jean-Michel Jarre interessierten sich ebenfalls für elektronische Rhythmen. Offenbar war ein Schlagzeug nicht zwingend auf einen Menschen angewiesen.
Den eigentlichen Durchbruch bei der freien Programmierung gab es bereits 1972. Der italienische Hersteller Eko brachte den ComputeRhythm auf den Markt, ein Gerät, das seiner Zeit erstaunlich weit voraus war. Statt ausschließlich fertige Tanzrhythmen abzuspielen, konnten Musiker eigene Schlagfolgen eingeben. Dafür standen sechs Reihen mit jeweils 16 Schritten zur Verfügung. Jeder Schritt entsprach einer bestimmten zeitlichen Position innerhalb des Rhythmus. Per Tastendruck ließ sich festlegen, wann welches Instrument erklingen sollte. Die Maschine spielte anschließend die gesamte Folge ab und begann wieder von vorn.
Damit war das Grundprinzip der Step-Programmierung entstanden, das bis heute in Drumcomputern und Musiksoftware verwendet wird. Ein Takt wird beispielsweise in 16 gleich große Abschnitte zerlegt. Die Bassdrum erklingt auf den Schritten eins, fünf, neun und dreizehn, die Snare auf fünf und dreizehn, während die Hi-Hat jeden zweiten Schritt begleitet. Das ergibt einen einfachen, gleichmäßigen Rhythmus. Wer zusätzliche Schläge setzt, verändert den Groove. Wer Schläge entfernt, schafft Pausen. Aus einer Reihe elektronischer Impulse entsteht Musik, ohne dass jemand auch nur einmal einen Trommelstock bewegen muss.
Der ComputeRhythm konnte außerdem mit Lochkarten arbeiten, auf denen rhythmische Muster festgehalten wurden. Eine Technik, die eher an frühe Datenverarbeitung als an ein modernes Tonstudio erinnerte. Trotzdem war das Prinzip erstaunlich zukunftssicher. Die Maschine musste lediglich wissen, welcher Klang zu welchem Zeitpunkt ausgelöst werden sollte. Eine Aufnahme des eigentlichen Schlagzeugklangs war dafür nicht erforderlich. Gespeichert wurden Steuerinformationen, keine Audiodateien. Was heute eine Musiksoftware auf dem Bildschirm darstellt, erledigte der italienische Drumcomputer bereits mit beleuchteten Tasten und elektronischen Schaltungen.
1978 machte Roland mit der CR-78 einen weiteren entscheidenden Schritt. Musiker konnten eigene Patterns programmieren und in einem batteriegepufferten Speicher sichern. Bis zu vier selbst erstellte Rhythmen ließen sich ablegen. Die Eingabe erfolgte zunächst über einen kleinen Taster, mit dem die Schläge im gewünschten Tempo gesetzt wurden. Mit dem zusätzlichen WS-1-Programmiergerät konnten Musiker ihre Rhythmen auch Schritt für Schritt eingeben, ohne sie in Echtzeit spielen zu müssen. Die Rhythmusmaschine begann, ihrem Besitzer zuzuhören. Allerdings verlangte sie dafür noch etwas technisches Verständnis und gelegentlich ein zusätzliches Zubehörteil.
Der Aufbau moderner Drumcomputer folgte nun einem vergleichsweise einfachen Prinzip. Ein elektronischer Taktgeber bestimmte das Tempo, ein Schrittzähler wanderte durch das Rhythmusmuster, und ein Speicher hielt fest, welche Instrumente an den einzelnen Positionen ausgelöst werden sollten. Die Klangerzeugung übernahm anschließend die eigentliche akustische Arbeit. Bei frühen analogen Geräten entstanden die Klänge durch elektronische Schaltungen, etwa durch Oszillatoren und Rauschgeneratoren. Der vermeintliche Schlagzeuger bestand damit aus einer elektronischen Uhr, etwas Speicher und einer Sammlung künstlicher Trommelschläge. Für einen Musiker war das vielleicht gewöhnungsbedürftig, für einen Ingenieur ausgesprochen übersichtlich.
1980 erschien die TR-808. Ihre vollständig analog erzeugten Klänge hatten mit einem natürlichen Schlagzeug ungefähr so viel gemeinsam wie ein Taschenrechner mit einem Konzertflügel. Besonders die tiefe Bassdrum entwickelte ein bemerkenswertes Eigenleben. Die Programmierung wurde nun unmittelbar am Gerät zugänglich. Mit den 16 Tasten konnten Musiker die einzelnen Positionen eines Rhythmus bestimmen und anschließend mehrere Patterns zu längeren Abläufen verbinden. Wer eine Bassdrum auf jedem Viertelschlag wollte, setzte vier entsprechende Schritte. Wer einen ungewöhnlichen Rhythmus suchte, verteilte die Schläge anders. Komplizierte Musiktheorie war dafür nicht erforderlich, ein gewisses Rhythmusgefühl allerdings weiterhin hilfreich.
Die Step-Programmierung veränderte auch die Arbeitsweise der Musiker. Früher musste ein Schlagzeuger einen Rhythmus spielen, der anschließend aufgenommen wurde. Nun ließ sich ein Pattern zunächst konstruieren, beliebig oft verändern und anschließend ohne Abweichung wiederholen. Fehlerhafte Schläge konnten einzeln korrigiert werden. Ein vollständiger Rhythmus entstand nicht mehr zwangsläufig durch eine musikalische Darbietung, sondern durch eine Folge bewusster Entscheidungen. Die Maschine spielte exakt das, was programmiert worden war. Musikalische Missverständnisse waren damit nicht ausgeschlossen, ließen sich aber nur noch schwer dem Schlagzeuger anlasten.
Zunächst verkaufte sich die TR-808 enttäuschend. Später wurde sie zur Grundlage von Hip-Hop, Electro und zahlreichen elektronischen Musikrichtungen. Ein wirtschaftlicher Misserfolg, der anschließend Musikgeschichte schrieb. Gerade ihre unnatürlichen Klänge wurden zum Markenzeichen. Die Maschine musste kein echtes Schlagzeug mehr imitieren, weil Musiker längst begonnen hatten, die elektronischen Eigenheiten als eigenständigen Sound zu betrachten.
Die TR-909 von 1983 kombinierte analoge Klänge mit digitalen Samples und MIDI. House und Techno fanden darin einen ausgesprochen zuverlässigen Mitarbeiter. Auch TR-606, TR-707 und TR-727 verbreiteten sich in Studios und Clubs. Die Programmierung wurde immer komfortabler, während MIDI die Zusammenarbeit mit Synthesizern, Sequenzern und anderen elektronischen Instrumenten erleichterte. Drumcomputer waren nun nicht mehr bloß Begleitautomaten, sondern Bestandteile zunehmend komplexer Produktionssysteme.
Roger Linn setzte dagegen auf digitale Aufnahmen echter Schlagzeuge. Seine LM-1 von 1980 und die LinnDrum von 1982 prägten den Sound der achtziger Jahre. Prince, Michael Jackson und The Human League nutzten diese Technik. Der E-mu Drumulator bot ab 1983 eine günstigere Alternative, während Oberheims DMX besonders im Hip-Hop und Electro Karriere machte. Die gespeicherten Schlagzeugklänge klangen realistischer als viele analoge Nachbildungen, blieben aber ebenso präzise programmierbar. Der menschliche Schlagzeuger lieferte nun häufig das Ausgangsmaterial, während die Maschine über den späteren Einsatz entschied.
Madonna, Depeche Mode, Phil Collins und zahlreiche Produzenten übernahmen die neuen Möglichkeiten begeistert. Swing, Shuffle und Accent sorgten dafür, dass maschinelle Präzision nicht zwangsläufig musikalische Langeweile bedeutete. Durch unterschiedliche Betonungen und kleine zeitliche Verschiebungen ließen sich Rhythmen erzeugen, die weniger mechanisch wirkten. Die Technik hatte damit ein neues Problem zu lösen: Nachdem sie jahrzehntelang versucht hatte, menschliche Ungenauigkeiten zu beseitigen, musste sie nun lernen, einen Teil davon künstlich wieder einzubauen.
Mit den Computern und Musikprogrammen der folgenden Jahrzehnte wanderte die Step-Programmierung schließlich auf den Bildschirm. Die beleuchteten Tasten früher Drumcomputer wurden durch grafische Raster ersetzt, in denen sich Schläge mit der Maus setzen, verschieben oder löschen ließen. Das grundlegende Verfahren blieb jedoch erhalten. Ein Takt wird in einzelne Abschnitte zerlegt, jedes Instrument erhält seine eigenen Auslösepositionen, und die Software spielt das Ergebnis in einer Schleife ab. Die Oberfläche ist inzwischen erheblich moderner, die musikalische Idee dahinter stammt weiterhin aus den frühen siebziger Jahren.
Heute werden die einstigen elektronischen Ersatzschlagzeuger zu Sammlerpreisen gehandelt oder in Software nachgebildet. Ihre Sounds sind weiterhin allgegenwärtig. Der Schlagzeuger wurde zwar nicht abgeschafft. Aber seine elektronische Konkurrenz hat inzwischen mehr als vier Jahrzehnte Berufserfahrung. Und eine Programmiermethode, die ursprünglich aus ein paar Tasten, einem Taktgeber und viel technischem Einfallsreichtum bestand, gehört noch immer zum Handwerkszeug moderner Musikproduzenten.